FAQ – Bereich / Frage Bereich zu Proteinabweisende / Protein-Fouling-reduzierende Beschichtungen
FAQ – Proteinabweisende & antihaftende Beschichtungen
Was bedeutet „proteinabweisend“ bzw. „Protein-Fouling-reduzierend“?
Proteinabweisende Beschichtungen sind funktionelle Oberflächen, die verhindern, dass sich Proteine, Enzyme, Biofilme oder organische Prozessrückstände dauerhaft anlagern. Ziel ist es, Adsorption deutlich zu reduzieren und Reinigung, Hygiene sowie Prozessstabilität zu verbessern.
Worin unterscheidet sich Proteinabweisung von klassischer Antihaftwirkung?
Klassische Antihaft-Beschichtungen reduzieren vor allem mechanisches Haften (z. B. von Schmelzen, Klebstoffen oder Verkrustungen).
Proteinabweisende Schichten wirken zusätzlich auf molekularer Ebene und verhindern Anlagerung durch:
hydrophobe Wechselwirkungen
elektrostatische Effekte
Wasserverdrängung an der Oberfläche
Moderne Funktionsschichten kombinieren häufig beide Effekte.
Vergleich: Normale Antihaftbeschichtung vs. proteinabweisende Funktionsschicht
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Merkmal |
Normale Antihaftbeschichtung |
Proteinabweisende Beschichtung |
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Hauptziel |
Mechanisches Anhaften reduzieren |
Molekulare Proteinadsorption minimieren |
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Wirksam gegen |
Schmelzen, Klebstoffe, Schmutz, Verkrustungen |
Proteine, Enzyme, Biofilme |
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Wirkprinzip |
Niedrige Oberflächenenergie |
Hydrathüllen & Grenzflächenchemie |
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Protein-Fouling |
häufig weiterhin vorhanden |
stark reduziert |
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Biofilmbildung |
möglich |
deutlich verzögert |
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Reinigungsaufwand |
reduziert |
sehr gering |
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Langzeitwirkung |
gut mechanisch |
sehr gut bei Modifikation |
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Chemische Anpassung |
meist nicht nötig, Prüfung gegenüber Kontaktmedium, um die richtige Schicht zu ermitteln |
gezielt erforderlich |
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Typische Anwendungen |
Formen, Extruder, Maschinenbau |
Food, Pharma, Biotech, Sensorik, Biosensoren |
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Definition: Proteinabweisende / Protein-Fouling-reduzierende Beschichtungen
Es handelt sich oft um zwitterionisch modifizierte Funktionsschichten, ist aber kein muss.
Welche Typischen Laborverfahren kommen zur Anwendung
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Methode |
Was gemessen wird |
Referenzpraxis |
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BSA-Adsorptionstest |
Menge gebundenes Albumin |
Industriestandard |
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Fibrinogen-Adsorption |
thrombosekritisches Protein |
Blutkontakt |
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QCM-D |
Echtzeit-Massenadsorption |
Sensorik |
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Fluoreszenz-Protein-Assays |
Oberflächenbelegung |
Hochdurchsatz |
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TOC-Analyse |
organische Rückstände |
Prozessindustrie |
Die Wirksamkeit wird typischerweise über Proteinadsorptionstests (z. B. Albumin- oder Fibrinogen-Adsorption), Langzeitbelastungen in prozessnahen Medien sowie – bei medizintechnischen Anwendungen – gemäß ISO-10993-Richtlinien zur Blutverträglichkeit geprüft.
- Proteinadsorptionstest (direkt)
- ISO-10993-Blutkontakt (wenn MedTech)
- Langzeitalterung
- Medienexposition
Dauerimmersion in Serum, Blutersatz, Prozesswasser CIP-Simulationen, Temperaturwechseltests, mechanische Belastung
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Kontaktwinkel |
Benetzung |
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AFM/SEM |
Rauigkeit |
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Schichtdicke |
Stabilität |
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Chemische Analyse (XPS, FTIR) |
Funktionelle Gruppen |
ASTM-Verfahren (Industrie & Hygiene)
ASTM E2180 – antimikrobielle Oberflächenleistung
ASTM G21/G22 – biologische Bewuchsprüfung
Adaptionen für proteinreiche Medien
Nicht speziell „Protein“, aber relevant für Fouling folge Effekte
ISO 10993-Serie
Besonders wichtig:
ISO 10993-1 – biologische Bewertung von Medizinprodukten
ISO 10993-4 – Blutverträglichkeit
(Thrombose, Hämolyse, Gerinnung, Proteininteraktion)
Zytotoxizität
ISO 10993-5 Titel: Biological evaluation of medical devices – Part 5: Tests for in vitro cytotoxicity. Diese Norm ist Teil der ISO-10993-Reihe zur biologischen Bewertung von Medizinprodukten.
Sie ist:
- regulatorischer Standard (EU MDR, FDA)
- verpflichtend für nahezu alle Medizinprodukte mit Körperkontakt
- auch relevant für Beschichtungen
Was wird bei einem Zytotoxizitätstest geprüft?
Es wird untersucht, ob:
- Zellen absterben
- Zellwachstum gehemmt wird
- Morphologie verändert wird
- toxische Stoffe aus der Beschichtung freigesetzt werden.
- Es ist kein Fouling-Test, sondern ein Sicherheits-Test.
Typische Testverfahren nach ISO 10993-5
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Test |
Beschreibung |
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Extrakt-Test |
Beschichtung wird in Medium ausgelaugt → Zellkultur reagiert darauf |
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Direktkontakt-Test |
Material liegt direkt auf Zellkultur |
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Agar-Diffusionstest |
toxische Substanzen diffundieren durch Agar |
Am häufigsten:
L929-Mausfibroblasten und 24–72 h Inkubation
Zellviabilität in %
Morphologische Veränderungen
Qualitative Skala (0–4)
Typischer Grenzwert:
✔ ≥ 70 % Zellviabilität = nicht zytotoxisch
Wenn es um Blutkontakt geht:
ISO 10993-4 → Blutverträglichkeit
ISO 10993-10 → Irritation & Sensibilisierung
ISO 10993-11 → systemische Toxizität
Für Oberflächenmodifikationen sind diese oft kombiniert erforderlich.
Eine proteinabweisende Beschichtung kann:
hervorragend antifouling sein, aber regulatorisch ungeeignet, wenn sie zytotoxisch ist
Deshalb sind bei MedTech und Medizinalkontakt Beschichtungen:
Wirksamkeitsnachweis (Proteinreduktion)
Biokompatibilität (ISO 10993)
immer zwei getrennte Prüfbereiche.
Die Biokompatibilität wird bei medizintechnischen Anwendungen gemäß ISO 10993 geprüft, insbesondere nach ISO 10993-5 (Zytotoxizität) und ISO 10993-4 (Blutverträglichkeit).
Warum haften Proteine an technischen Oberflächen?
Proteine binden durch:
- hydrophobe Wechselwirkungen
- elektrostatische Kräfte
- Van-der-Waals-Wechselwirkungen
- mikroskopische Rauigkeit
- Oft bildet sich schnell ein sogenannter Konditionierungsfilm, der weiteres Fouling begünstigt.
Können Beschichtungen Proteine vollständig abweisen?
Nein. Eine 100 %ige Abweisung ist physikalisch nicht möglich. Sehr hochwertige Beschichtungen erreichen jedoch: 90–99,9 % Reduktion der Proteinadsorption was in der Praxis enorme Vorteile bringt. Dies entspricht je nach Anwendung einer um Größenordnungen verbesserten Standzeit und Reinigbarkeit.
Sind PFAS-freie Antihaftbeschichtungen automatisch proteinresistent?
Nein. PFAS-freie Systeme reduzieren viele Verschmutzungen sehr gut, aber echte Proteinabweisung erfordert zusätzlich eine angepasste Oberflächenchemie.
Können solche Schichten Biofilmbildung verhindern?
Sie verzögern und reduzieren sie deutlich, da Biofilme meist auf einer ersten Proteinschicht entstehen.
Welche Eigenschaften sind entscheidend?
- hydratisierte Grenzschichten
- geringe Rauigkeit
- chemische Stabilität
- feste Schichtverankerung
Die Wirksamkeit wird typischerweise über Proteinadsorptionstests, Langzeitversuche und prozessnahe Medien geprüft.
Welche Anwendungen profitieren besonders?
- Bioreaktoren & Prozessanlagen
- Schläuche, Ventile, Pumpen
- Sensorik & Mikrofluidik
- Anwendungen mit Biosensoren
- Chromatographie
- Lebensmittel- & Pharmaanlagen
Verbessern proteinabweisende Schichten die Reinigung?
Ja (Materialabhängig und Kontaktmediumabhängig):
kürzere Reinigungszyklen
weniger Chemikalien
geringere Stillstandszeiten
Sind diese Beschichtungen für hygienische Anwendungen geeignet?
Ja – bei entsprechender Auslegung, Materialfreigabe und Prozessanpassung.
Wie langlebig sind sie?
Abhängig von:
Belastung, Temperatur, Reinigungschemie, Medium
Wichtiger Hinweis zu proteinabweisenden Beschichtungen bei Hescoat
Proteinabweisende, Protein-Fouling-reduzierende und biologisch modifizierte Beschichtungen werden bei Hescoat ausschließlich im Entwicklungsservice realisiert.
Das bedeutet:
✔ vorhandene Beschichtungen werden gezielt modifiziert
✔ Oberflächenchemie wird an die Anwendung angepasst
✔ Anti-Fouling-Eigenschaften werden individuell entwickelt
✔ mechanische Performance bleibt erhalten
Es handelt sich nicht um Standardprodukte, sondern um applikationsspezifische Lösungen. Die Entwicklung erfolgt material- und prozessspezifisch je nach Substrat, Medium und Belastung. Es handelt sich meist um längere und grösser Entwicklungsprojekte.
Verkauft Hescoat die entwickelten Rezepturen
Nein, es handelt sich um eine Aufwandsentschädigung, die fertigen Produkte können dann von Hescoat als Klassischer Produktkauf bezogen werden.
Kurzfazit
Normale Antihaftbeschichtungen helfen gegen Ankleben und Verschmutzung.
Proteinabweisende Beschichtungen gehen deutlich weiter und reduzieren Fouling auf molekularer Ebene – sie entstehen durch gezielte Modifikation im Entwicklungsservice.
Weitere Begriffe hierfür sind:
- Ultra-Low-Fouling-Oberfläche
- Non-fouling surface
- Protein-resistant coating
- Biofouling-resistant surface
- Proteinabweisende Beschichtung
- Protein-Fouling-reduzierende Beschichtung
- Antifouling-Beschichtung (biologisch)
- Low-Fouling-Oberfläche
- Fouling-resistente Oberfläche
- Anti-Protein-Adsorptionsschicht
- Zwitterionische Beschichtung
- Hydratisierte Grenzschicht
- PEG-modifizierte Oberfläche
- Hydrophile Polymerbeschichtung
- Antithrombogene Beschichtung
- Blutverträgliche Oberfläche
- Hämokompatible Beschichtung
- Anti-Biofilm-Beschichtung
- Fouling-Control-Beschichtung
- Reinigungsoptimierte Oberfläche
- Anti-Deposit-Beschichtung
- Easy-to-clean Oberfläche